Jan goes India, der Anfang


Ich bin doch noch zu meinem Kingfisher-Bier gekommen und der Ort hätte nicht besser passen können: ich bekam es durch eine winzige Klappe in einer Hauswand im Red Light District. „This window is open 24 hours“, klärte mich Ali, mein neuer muslimischer BFF, auf :-). Aber der Reihe nach.

Der Flug war ok, ein wenig unbequem, aber  nicht langweilig – ich hätte nach den knapp 8 Stunden locker noch eine ganze Weile weiterfliegen mögen. Das macht mich dann wohl zu einem Langweiler :-). Aber ich erlebe genug: Genau um Mitternacht hatte ich das Zimmer bezogen, die Sachen im Safe verstaut und wollte losziehen. Nach einer halben Stunde herumirren im dunklen Mumbai und leider ohne funktionierendem GPS, bekam ich langsam Hunger. Zudem musste ich unbedingt noch irgendwo wasser auftreiben. Das „gefilterte“ Wasser im Hotel steckt leider in dreckigen unversiegelten Petflaschen. Kein Laden ist in Sicht und auf ein Irisches Pub (das einzige, was ich mir unterwegs zugetraut hätte) hatte ich wirklich keine Lust.

Dann sprach mich Ali an. Die Leute waren bisher extrem ferundlich und nicht aufdringlich. Auch er wirkte viel eher interessant, als auf Geld aus. Er hatte accounting studiert, schlägt sich aber jetzt als Reiseführer durch, und dies wohl ziemlich erfolgreich (er zeigte mir noch so gerne all seine glücklichen exkunden auf fb). Wir fuhren also zu dieser Klappe ins Rotlichtviertel nachdem Ali mir beteuert hatte, es sei ok und sehenswert. Er war vertrauenswürdig und noch viel wichtiger: er hatte recht. Das Quartier war klein und schäbig, weshalb wir in seinem Taxi weiter fuhren. Er führte mich in ein muslimisch-indisches Restaurant, in welches ich mich alleine wohl nicht hereingewagt hätte (es war voller leute und ich war der einzige Ausländer). Er bestellte uns zwei köstliche Saucengerichte (mittelscharf, super), welche wir mit Naanbrot und der rechten Hand verspeisten (die linke ist ja unrein). Ich zahlte für beide gut 3 franken., inkl. einer Wasserflasche, welche ich sehr froh mitnahm. Auf dem Heimweg handelte ich ihn noch ein wenig für eine 4-stündige Tour runter (aber nur halbherzig, weil ich denke, dass er das geld wert ist. Er ist im slum aufgewachsen und kennt jede ecke von Mumbai). Zudem meinte er, wir sollen zusammen in den Ausgang gehen, er kõnne mir die besten Restaurants und Parties zeigen (indische und westliche). Am Ende wollte er kein Geld für diesen ersten Abend und meinte zu meinem bescheidenen feilschen, ich solle das Geld einfach vergessen, aus meinem bewusstsein streichen. Er betrachte die Leute als seine Freunde und um darum gehees bei solchen erlebnissen. Wenn es mir dann so gut gefallen hat, wie er es erwartet, kann ich ihm ja etwas extra geben. Er wäre ein guter Verkäufer. Aber ich glaube er verkauft nicht (nur), er lebt.  ich bin also gespannt auf morgen!


Über JanS

Das schlichtweg beste Gefühl ist weiterhin, wenn man nach einer durchzechten Nacht mit spannenden neuen Begegnungen am Flughafen steht, selber überrascht, dass das alles geklappt hat und der Pass wie auch das meiste Gepäck dabei zu sein scheint und es weiter geht - an einen neuen, unbekannten Ort. Was der kommende Abend bringt weiss man nicht, nur dass man bereit ist. Ich bin Weltenbummler und ein wenig Karrierist, fühle mich im Anzug fast genau so wohl wie in Flip Flops. Ich liebe die einheimischen Berge und möchte doch immer weit weit fort.

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