Backpacker – Ernüchterndes Frankreich


Ernüchterndes Frankreich

 

Von zu hohen Erwartungen und früher Heimreise

Meine erste Backpacker Reise führte mich im November 2013 von Zürich mit dem Zug nach Basel und Frankreich und dort über Umwege nach Paris. Das war dann bereits das Ende!

Geplant war eine 10 Tägige Tour bis an die Küste der Normandie mit Besichtigung des Atlantikwalls und anschliessender Überfahrt nach England. Auf der Rückreise wollte ich durch den Eurotunnel nach Frankreich zurück und über Belgien und Deutschland nach Hause.
Leider kommt es oft anders als man denkt.

Eine Woche vor Abreise holte ich frohen Mutes mein bestelltes Zugticket und packte anschliessend etwa fünf mal den Rucksack zur Probe.
Zu guter Letzt optimierte ich die letzte Packung noch mal, da ich noch Zwischenverpflegung reinquetschen wollte.

 


 

Nun war ich bereit! Aber war ich das wirklich?

Wenn du noch nie Backpacker Reisen gemacht hast, ist es nicht so einfach sich das vorzustellen, du denkst an Abenteuer, wie du Leute kennen lernst, dauernd auf Achse bist. Vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Erwartungen und konnte nur enttäuscht werden.
Die Zugsreise nach Basel verlief wie jede Zugfahrt, auch das umsteigen klappte und bald sass ich im ICE nach Strasbourg.

Gare de Strasbourg

Bahnhof Strassbourg

 

Der Bahnhof von Strasbourg

 

Ich hatte mir vorgängig ein Dossier zusammengestellt von den Dingen die ich dort sehen wollte.

Erst besuchte ich die Kathedrale Notre Dame, fuhr mit der Strassenbahn in der Stadt herum bis zur alten St.Peters Kirche und fand mich am Ende bei der Gutenberg Statue wieder. In dieser Zeit habe ich nicht nur viel von der Stadt gesehen sondern musste mich auch immer wieder den Bettlern erwehren welche überall waren. Vor Kiosken, Geschäften, Banken, der Post und beim grossen Tor der Kathedrale.

 

Notre Dame de Strasbourg

Notre Dame de Strasbourg

Statue des Johannes Gutenberg

Statue des Johannes Gutenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der beste Teil war damit bereits vorbei! Im Regionalzug von Strasbourg nach Reims kam ich unfreiwillig mit den Pendlern ins Gespräch, denn kurz vor Nancy blieb der Zug plötzlich stehen. Mit meinem Schulfranzösisch kann ich mich verständigen doch um eine hastige Durchsage des Lokführers zu verstehen reicht es nicht. Auf Grund einer Störung ging es für gut 30 Minuten nicht weiter. Zu allem Übel mussten alle in Nancy den Zug verlassen. Nun war ich gestrandet, ich wollte weiter doch es fuhren keine Züge mehr. Am Info Schalter erfuhr ich dann, dass ich den Bus bis Lorraine nehmen kann. Das waren noch mal 50 Minuten Fahrt. Dazu war es regnerisch und kalt, deshalb entschied ich mich bereits weiter nach Reims zu reisen. Eine Stadt mit Geschichte, zum Beispiel wurde die Kapitulation des dritten Reichs in der Kathedrale Notre Dame de Reims (wie könnte es anders sein) unterzeichnet.

Kirche in Nancy

Kirche in Nancy

 

Reims

Ich nutzte die restliche Zeit in Nancy, schoss ein paar wenige Fotos, löste ein Ticket für den Bus nach Lorraine und reservierte für den TGV  der mich von dort nach Champagne-Ardenne und mit einem weiteren umsteigen nach Reims bringen sollte. Als ich endlich Reims erreichte war es halb Zehn abends. Und es regnete auch dort! Mit meinem Smartphone suchte ich eine günstige Unterkunft in der nähe des Bahnhofs!

Auf dem Foto im Internet sah das kleine, in einer Seitenstrasse versteckte, 2 Stern Hotel-Ardenne ziemlich schnucklig aus. Der Anblick des echten Hotels aber, war ernüchternd, die Neon Beleuchtung Flackerte und an der Fassade bröckelte der Putz. Die kleine Glastür an der Front zur Strasse hin war abgeschlossen und ich klingelte. Ein dickbäuchiger Mann der seine besten Zeiten hinter sich hatte öffnete und fragte was ich wolle. Ich fragte nach einem Zimmer und er liess mich rein. Die Reception sah aus wie selbst gezimmert und hinter PC und Aktenschrank verbargen sich eine kleine Kochplatte eine Kaffemaschine und ein Kühlschrank. Nach dem ich die Formulare ausgefüllt und mich für das Frühstück angemeldet hatte, ging ich mit meinem Rucksack zu Zimmer 5, ich glaube mehr Zimmer hatte es sowieso nicht! Das Bett war riesig und nahm das ganze Zimmer ein, es war eiskalt, da das Fenster offen stand. Mir war nicht wohl bei diesem Hotel doch es war besser als nichts!

Am nächsten Tag wurde ich um 07.30 geweckt und daran erinnert dass es um 8 Uhr Frühstück gibt. Der Ess-Saal, er verdient die Bezeichnung eigentlich gar nicht, aber egal, war in der Verlängerung der Receptionküche. Drei Tische mit je vier Stühlen standen da, wobei einer bereits mit einer dicken Frau besetzt war. Es gab Kaffe und Milch, Croissant mit Butter und Konfitüre und Käse mit Aufschnitt. Als ich fertig war mit essen, checkte ich aus und um halb neun war ich bereits wieder mit meinem Rucksack unterwegs!

 

 

Ich hatte keine Lust mehr, die Reise und Frankreich war so ganz anders als ich mir das vorgestellt hatte. Wo war das Gefühl der Freiheit? Ich fühlte mich alleine und heimatlos. Ohne Motivation besichtigte ich die Notre Dame von Reims, die Statue von Jeanne-D’arc und das ehemalige Gestapo Hauptquartier. Ich fror und als ich zum wiederholten mal beim Port au Mars Bogen ankam war ich niedergeschlagen und demotiviert weil ich immer im Kreis ging, so entschloss ich mich Reims zu verlassen. Um 11.45 sass ich bereits wieder im Zug durch Frankreich, genauer nach Paris Ost.

 

Paris muss es richten

Nach 45 Minuten kam ich in Paris an. Es regnete zum Glück nicht mehr. Aber auch in Paris war es nicht besser, erst wollte man mir auf der Strasse, wahrscheinlich gefälschte oder ungültige Metro Tickets verkaufen, zum Glück sah ich gerade noch ein Plakat welches in Frankreichh davor warnte, dann waren da überall Asiaten die alles, aber wirklich alles Fotografierten. Und als ich die Seine überquerte und Richtung Eiffelturm ging, hätte ich mich am liebsten nach Hause gebeamt.

 

Seine - Paris

Da war eine Frau welche mir hinterher rannte und mich fragte ob ich den Ring in Ihrer Hand verloren hätte, ich verneinte und Sie gab Ihn mir trotzdem und wünschte mir alles Gute im Leben. Als ich mich ein wenig verdutzt abwandte kam Sie mir nach und sagte ich müsse ihr 20 Euro geben. Da habe ich das Spiel durchschaut und wollte ihr den Ring zurück geben, doch Sie wollte ihn nicht. Also legte ich ihn auf den Rand der Brücke und ging zum Eiffelturm. Dort dann das nächste Ungemach, lange Schlangen vor den Aufzügen. Na gut, dachte ich dann gehe ich eben zu Fuss. Doch als ich mit meinem Rucksack zu den Treppen wollte wurde ich von einem Wachmann aufgehalten. Er durchsuchte meinen Rucksack sagte dann dass ich gehen könne, also fragte ich wo ich den Rucksack deponieren könne. Er lachte und sagte, dass ich ihn mitnehmen müsse.

Ich traute meinen Ohren nicht, am Bahnhof könne ich ihn ja abgeben, Hallo? Da kam ich gerade her. Ich wandte mich ab und als ich den gleichen Weg über die Seine zurück ging, du glaubst es nicht, kam ein Schwarzer und hob etwas vom Boden auf, doch das Spiel mit dem Ring kannte ich bereits, lachte und zeigte ihm den Vogel. Danach hatte ich genug von Paris und Frankreich und löste ein Ticket nach Hause. Nach gerade mal 36 Stunden war ich froh wieder Zuhause zu sein.

Das war meine erste Erfahrung mit dem Backpacker Blues, man zweifelt an sich, sehnt sich nach einem Rückzugsgebiet, es wird einem alles zu viel. Gut habe ich das in Frankreich, quasi bei einer Destination in der Nähe ausprobiert, so dass ich schnell heimkehren konnte.

Von nun an halte ich mich mit meinen Erwartungen zurück und überlege mir schon im vornherein mögliche Alternativen, wenn etwas nicht so läuft wie ich das geplant habe!

 

 

 

Booking.com_klein

– Und was die Hostels angeht, für die erste Nacht buche ich seither immer ein Zimmer, natürlich über booking.com weil es so einfach und günstig ist!

 

 

 

 


Über Luzius

Im Kopf ein Träumer und einen Fuss immer auf der Strasse um überall hin zu gelangen. Als Gründer dieses Blogs schreibe ich hauptsächlich von den Eindrücken auf meinen Reisen. Natürlich würde ich ich mich freuen die eine oder andere Person ebenfalls dazu zu bewegen das Leben mehr aufs Leben auszurichten als auf Karriere und Status, folgt mir online oder in Echt. Ich helfe euch bei Eurem vorhaben die Welt zu bereisen und gleichzeitig etwas zu verdienen. Euer Backpacker Luz ....Meine persönlichen Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen müssen nicht mit den Eindrücken, Meinungen oder Erfahrungen anderer Personen übereinstimmen oder denen entsprechen. Vielen Dank !

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